Eine Welt zu gewinnen - aber auch eine zu verlieren!

SYSTEM CHANGE TOWARDS COMMUNISM!

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Plädoyer für eine antikapitalistische Ökologiekritik

Wir, die autonome antifa [w], möchten euch mit folgendem Text dazu einladen, Kämpfe zu verbinden, Gemeinsamkeiten zu erkennen und aus Teilbereichsaktivismus eine Bewegung zu machen! Gleichzeitig möchten wir auf Fallstricke aufmerksam machen und zur Diskussion über dieselben einladen.

Wir begrüßen und schätzen die Politik von System Change Not Climate Change und anderen linken Akteur_innen der Klimabewegung. Es fällt uns jedoch auf, dass die in der Umweltbewegung vertretene Kritik oftmals hinter Erkenntnisse ihrer eigenen Vorgänger_innen zurückfällt. Wir möchten deshalb in aller Kürze unser Verständnis von Ökonomie und Ökologie darstellen.

Die gegenwärtigen Produktionsverhältnisse unterliegen gänzlich der Logik, dass aus Wert (z.B. Kapital) Mehrwert (in Form von Profit) geschlagen wird. Dieses Gesetz durchzieht die gesamte ökonomische Sphäre: vom kleinen Bauernhof am Land, übers Dienstleistungsunternehmen in der Großstadt bis zum internationalen Agrarkonzern sind sie alle gezwungen, das Ziel der Mehrwertproduktion zu verfolgen. Die massive Ausbeutung von Menschen, Tieren und der Umwelt ist keine Ausnahme kapitalistischer Produktionweise, sondern ihr permanenter Normalzustand. Lediglich das Ausmaß davon unterliegt Konjunkturen – zeitweise gönnt der westliche Industriestaat dem Proletariat etwas Sozialmaßnahmen oder auf einem Gipfel herrschender Staatschefs wird ein Umweltschutzpapier unterzeichnet. Doch gerade weil die Ausbeutung dem Kapitalismus inhärent ist, kann sie nicht ernsthaft reduziert, nicht einmal mittelfristig eingedämmt werden – dies zu erwarten, wäre ein logischer Fehlschluss.
Regelmäßig enttäuscht werden also jene (Umwelt-)aktivist_innen, die sich vom Staat oder der als „Staatengemeinschaft“ verniedlichten Weltmarktkonkurrenz Verbesserungen erwarten. Eine Welt, in der die Ökonomie und Politik dem ständigen Diktat des Wachstums, der Steigerung, der Profitmaximierung unterliegen, in der ständig neue Lebensbereiche der Verwertung unterstellt und ganze Ökosysteme systematisch und irreparabel vernichtet werden, lässt sich nur durch den Bruch mit ebendieser Ökonomie verbessern. Deutlich wird das destruktive Potential des Kapitalismus beispielsweise an der Technologie: obwohl der technologische Fortschritt durch Digitalisierung und Automatisierung nahezu augenscheinlich danach ruft, den elenden Zwang zur Lohnarbeit zu beenden und die notwendigen Tätigkeiten durch Roboter verrichten zu lassen, passiert genau das Gegenteil: die Steigerung der Technologisierung bedeutet im Kapitalismus eine Zunahme an „Überflüssigen“, also Arbeiter_innen, denen das Kapital keine Arbeit mehr anzubieten hat.
Eine emanzipatorische Umweltbewegung darf sich jedoch nicht gegen Technologisierung stellen und eine vermeintlich bessere Welt in der Vergangenheit suchen, sondern muss ganz im Gegenteil einfordern, dass alles Wissen, alle Technologie, alle Errungenschaften der Menschheit einzig dem Ziel dienen sollen, dass die Menschen ein würdiges Leben im Einklang, also geplant (nachhaltig) und rücksichtsvoll mit ihrer Natur leben.
Ein weiterer Fallstrick ist die Konsumkritik. Es liegt zwar auf den ersten Blick nahe, dass es doch besser sei, irgendetwas zu tun, beispielsweise auf bestimmte Produkte zu verzichten oder lieber vom kleinen Markt als vom Konzern einzukaufen. Der Konsumkritik ist erstens entgegenzusetzen, dass es gar keinen richtigen, fairen oder nachhaltigen Konsum im Kapitalismus geben kann: Bio-Marken sind (für den großteil der Menschen unleistbare) ausgefüllte Marktlücken und ein Weltmarkt, der als solcher eben global agiert, kann nicht lokal bekämpft werden. Das wäre nichtmal wünschenswert, kann doch unsere Antwort auf weltweite Verelendung und Naturzerstörung nur eine globale/internationale sein. Das zweite Problem ist die moralisierende Individualisierung. Während jeglicher Konsum genauso wie Produktion in den Weltmarkt eingebettet ist, also 7 Milliarden Menschen betrifft, gaukelt die Konsumkritik vor, individuelles Verhalten einzelner Menschen könne etwas ändern.

Was wir fordern müssen, ist also nichts weniger als eine globale Lösung auf das globale Problem der destruktiven, bedürfnisfeindlichen, umweltzerstörerischen Produktionsweise des Kapitalismus! Wir müssen dabei erkennen, dass der Kapitalismus nicht verbessert, nicht reguliert oder reformiert werden kann. Die einzige Perspektive für eine bessere Gesellschaft, wir nennen sie Kommunisus, ist die soziale Revolution. Was aus unserer Sicht ansteht, ist es, soziale Kämpfe zu verbinden: seien es feministische, antirassistische, antifaschistische Kämpfe, seien es Kämpfe gegen Arbeitsbedingunen oder die Lohnarbeit an sich oder seien es ökologische Kämpfe. Nur wenn wir erkennen, dass all unsere Anliegen zusammengedacht werden müssen, nur wenn wir uns ergänzen und solidarisch unterstützen, kann aus unserem zersprenkeltem Aktivismus eine wirkliche Bewegung werden. An den Grundsätzen der Revolution in Rojava liese sich anknüpfen: feministisch – ökologisch – antikapitalistisch… und gegen Faschist_innen aller Couleur!

Wir haben einen Planeten zu verlieren – aber auch eine Welt zu gewinnen!

PS: als eine erste Möglichkeit unsere Kämpfe zu verknüpfen, laden wir euch ein, mit uns an den Protesten gegen das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft in Salzburg am 20. September teilzunehmen. Alle Infos findet ihr auf: summit-salzburg.mobi