Massive Polizeigewalt bei antifaschistischem Protest gegen Al-Quds-Marsch. Antisemitischer und islamistischer Aufmarsch wurde zeitweise blockiert.

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In Wien wurde der jährlich stattfindende Al-Quds-Marsch heute erneut mit antifaschistischen Protesten konfrontiert. So gelang es etwa 50 Antifaschist*innen, den Marsch zeitweise zu blockieren und zu behindern. Die Polizei ging äußerst aggressiv gegen die friedliche Sitzblockade vor, die Teilnehmenden wurden einzeln und gewaltsam in eine Seitengasse gezerrt und in einem Kessel festgehalten, mehrere Personen wurden anschließend sogar festgenommen. Clara Raskowa, Pressesprecherin der autonomen antifa [w] zeigt sich empört über den überzogenen Polizeieinsatz: „Wir verurteilen die Gewalt gegen die Blockierenden aufs Schärfste. Zudem wurden Journalist_innen an ihrer Arbeit gehindert, die Pressefreiheit einmal mehr mit Füßen getreten. Gleichzeitig verwundert es wenig, dass die Polizei einmal mehr brutal gegen Antifaschist_innen vorging und den Reaktionären die Straße freigeprügelt hat.“

Der Marsch dient vor allem als Machtdemonstration des islamistischen Regimes im Iran, welches neben den antisemitischen Vernichtungsdrohungen gegen den Staat der Shoah-Überlebenden Israel, tagtäglichen Horror für Homosexuelle, „Ungläubige“ und Frauen bedeutet.

„Bei Reaktionären und Faschist*innen ist es uns egal an welche Fabelwesen sie glauben oder wo ihre Eltern herkommen, wir blockieren ihre Aufmärsche wann und wo immer wir können. Es ist Teil internationaler Solidarität und des Ringens um universale menschliche Emanzipation, menschenverachtende Ideologien – und somit auch den Islamismus – zu bekämpfen“, kommentiert Clara Raskowa, Pressesprecherin der Autonome Antifa Wien, die heutige Aktion.

Der Kulturrelativismus, der Menschen auf ihrer „kulturelle Herkunft“ reduziert oder islamistische Regime toleriert, wo sie der Ansicht der Kulturalist*innen nach hingehören, findet sich nicht nur in der extremen Rechten und in ihren rassistischen Ressentiments. Auch in der Linken, ganz zu schweigen vom alltäglichen politischen Bewusstsein in der Mehrheitsgesellschaft, werden Menschen auf ihre Kultur reduziert und somit soziale Konflikte naturalisiert. Doch beim Islamismus geht es nicht vordergründig um Kultur, sondern um reaktionäre politische Ideologien und Bewegungen. Diese wollen das Individuum einem autoritären Kollektiv unterwerfen und hegen Feindbildprojektionen gegen ihre prospektiven Opfer wie Frauen, Homosexuelle oder Jüdinnen und Juden. Die zu „Anderen“ Gemachten werden aus der natürlich imaginierten „Gemeinschaft“ ausgeschlossen – mit teilweise tödlichen Folgen.

„Gegen jede Form von reaktionärer Ideologie und der Schiefheilung kapitalistischer Verwerfungen, aber auch gegen Religion und eine Gesellschaft, deren Elend solchen „tröstenden“ Aberglauben hervorbringt, wendete sich unser heutiger antifaschistischer Protest. Die konkurrierenden Ideologien des Rechtsextremismus und Islamismus eint viel mehr, als man auf den ersten Blick glauben möchte. Gesellschaftliche Emanzipation wird nur gegen sie erstritten. Und das ist doch die Aufgabe einer radikalen Linken. Denn Rassismus und Nationalismus, Islamismus und Religion bleiben doch nur der schlechntisemitismus #te Ersatz für den Traum, den die Welt der Menschheit so nachdringlich auszutreiben versucht“, so Raskowa abschließend.