Mobilisierung der autonomen antifa [w] zum Frauen*kampftag am 8. März 2017

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Zur Kampagnenseite: https://m8vienna.noblogs.org/


Die Tradition des Internationalen Frauen*kampftages geht auf die Arbeiterinnenbewegung um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zurück. Von der 2. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen wurde am 27. August 1910 auf Initiative von Clara Zetkin ein jährlicher internationalen Frauen*kampftag festgelegt, der sich gegen die mehrfache Ausbeutung der Arbeiterinnen als Frauen und Fabrikarbeiterinnen richtete. Der Kampf gegen (Hetero-)Sexismus in allen Bereichen unseres gesellschaftlichen Lebens und gegen die Strukturen des Patriarchats wird natürlich nicht an einem Tag im Jahr geführt und vor allem nicht gewonnen. Doch trotzdem ist der 8. März ein Tag, an dem bis heute eine große Öffentlichkeit ihre Aufmerksamkeit auf seine Akteur*innen und Aktionen richtet. Auch wir nehmen den 8. März als Anlass, um unsere Kritik an den patriarchalen kapitalistischen Verhältnissen in die öffentliche Debatte und auf die Straße zu tragen. Dies heißt für uns, die Perspektiven eines linksradikalen Feminismus zu diskutieren, dem es ums Ganze geht: um die befreite Gesellschaft.

 

If the feminists get united…

Es ist schon lange klar, dass es schwer möglich ist, den einen Feminismus zu definieren. Die einzigen, die meinen, das zu können, sind antifeministische Agitator*innen, die hinter allem, was ihre als natürliche Ordnung verkaufte Ideologien als solche entlarvt, eine Verschwörung wittern. Feministische Debatte hat oft dazu geführt, die Fragen nach dem Subjekt und der Organisation feministischer Kämpfe neu zu stellen, Brüche zu organisieren und Ziele neu zu definieren. Wichtige Beispiele sind die Interventionen des postkolonialen und auch des Queerfeminismus, die die Deutungshoheit weißer, mittelständischer cis-Frauen über das Was? Wie? und Wer? feministischer Gesellschaftskritik und Kämpfe angefochten haben. Emanzipatorischer Feminismus heißt permanente gesellschaftskritische Debatte über Theorie, Organisation und Praxis.

Doch feministische Debatten haben ihre Themen und ihren Ton zum Teil stark verändert. Mittlerweile scheint Feminismus in vielen Gesellschaftlichen Räumen nicht mehr das das böse F-Wort, sondern schillerndes Label zu sein. Sei es an der der Universität, auf Blogs, in den narrativen der neuesten Netflix-Produktionen, im Klamottenladen und in der Diskussion um die richtige Sprache. Die Frau* am Herd und der Macho, der nicht weinen darf, sind zumindest in weiten Teilen des öffentlichen Diskurses out. Dann läuft doch eigentlich alles in eine ganz gute Richtung, würden manche jetzt wohl behaupten. Nein! sagen wir, denn nicht überall, wo Feminismus drauf steht ist auch emanzipatorische Politik drin. Denn Feminismus als Gesellschaftskritik und Kampf mit dem Ziel, ein besseres Leben für alle zu schaffen, also ohne die gewaltvollen Erfahrungen von Identitäts- und Leistungszwang, Fremdbestimmung, Ausbeutung und Unterdrückung, muss mehr wollen, als ein immer besseres Wort für das ewig gleiche Elend und die Nutzbarmachung neuer Label durch Individualisierung und Selbstoptimierung. Feministische Gesellschaftskritik und -analyse darf nicht auf der reinen Erscheinungsebene stehen bleiben, sondern ihre Kritik muss bis zur materialistischen Basis der uns umgebenden Verhältnisse reichen.
Seit den Anfängen der bürgerlich, kapitalistischen Gesellschaft hängen Staat, Nation, Kapital und Patriarchat zusammen. Als Herrschaftsverhältnis sorgte auch die binäre Geschlechterordnung für die Aufrechterhaltung und das Funktionieren der kapitalistischen Produktionsweise und tut es bis heute – auch wenn sich einzelne Bilder und Geschichten verschieben. Rassistische und antifeministische Ideologien werden miteinander verstrickt und in die gesellschaftlich konstruierten Märchen von Kultur und Geschlecht eingeordnet. Dann gibt es auf einmal den Kampf für Frauenrechte aus der rechtsextremen Ecke, der für den Schutz der „eigenen Frauen“, für die Abschiebung von sogenannten Wirtschaftsflüchtlingen und gegen das Recht auf Abtreibung demonstriert.
Wir wollen mit unserer Kampagne dazu aufrufen, wieder zu diskutieren, was die Ziele emanzipatorischer Politik sind und eine feministische Gesellschaftskritik hörbar machen, die sich von neoliberalem Reformismus und rechter Instrumentalisierung abgrenzen kann und Perspektiven eines vernetzten, linksradikalen Feminismus eröffnet, dessen Ziel feministische Kämpfe und Standpunkte innerhalb kapitalistischer Widersprüche verbindet: Die befreite Gesellschaft und das gute Leben für alle!
Beteiligt euch an unseren Diskussionen* und geht mit uns am Abend des 7. März* gegen patriarchale Gewalt, Ausbeutung und Unterdrückung auf die Straßen. Für einen feministischen Kampf, dem es ums Ganze geht!

(ein ausgeführtes Positionspapier von uns folgt bald)

* Sowohl die Veranstaltungen, als auch die Demo sind offen für alle Gender. Auf der Demo am 7. März wird es einen FrauenLesbenInterTrans-Block geben.