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„Brno Blockieren“ – Nazi-Großaufmärsche gegen Flüchtlinge in Osteuropa stoppen

Die Genoss*innen der Iniciativa Ne rasismu haben den Aufruf der Antifa CZ übersetzt. Das Original findet ihr hier: http://www.antifa.cz/content/antifascist-demonstration-brno-26-june-2015

Die Antifaschistische Aktion in Tschechien ruft alle AntifaschistInnen auf, am 26. Juni nach Brno/Tschechien zu einer Anti-Nazi Demo der Iniciativa Brno Blokuje (Brno blockiert Initiative) zu kommen. An diesem Tag soll Brno zum Schauplatz der zweiten Anti-Imigrations-Demonstration in einer Serie von Neonazis organisierter Hass-Events werden. Am gleichen Tag soll außerdem ein großes Festival mit nationalsozialistischen Bands stattfinden, darunter auch solche Bands, die Verbindungen zur paramilitärischen faschistischen Organisation „Der Rechte Sektor“ unterhalten, der in der Ukraine operiert. Nach Monaten der Stagnation und des Niedergangs wollen die Nazis von der antimuslimischen und Anti-Refugee Hysterie profitieren und sich auf der politischen Bühne zurückmelden. Es ist ausgesprochen wichtig, dem von Anfang an mit einer massiven Präsenz am Freitag in Brno entgegenzutreten. Sonst werden weitere Aktionen folgen. Die Gegendemonstration startet um 17:45 auf dem Moravské náměstí in Brno.

Am letzten Samstag den 20. Juni fand eine Demonstration von 5000 Neonazis, Ultranationalisten und rechten Hooligans in Bratislava (Slowakei) statt, fast komplett ohne Unterstützung aus der Bevölkerung. Stattdessen erfuhr die Demonstration jedoch massive Unterstützung von Neo-Nazis aus Polen, Tschechien und anderen mitteleuropäischen Ländern. 140 Nazis wurden im Verlauf der Demo festgenommen, die Hälfte von ihnen waren tschechische Staatsbürger.

Dieser Aufmarsch gegen Migranten und den Islam war die größte Demonstration von Ultranationalisten und Neonazis in der modernen Geschichte des slowakischen Staates. Es war ein Event, organisiert von Nazis für Nazis. Für sie wurde mit der Demonstration ein Traum wahr, es war eine Machtdemonstration der Neonazi-Bewegung die in der Slowakei in letzter Zeit eigentlich stagnierte. Anwesend waren und gesprochen haben auf der Demonstration die wichtigsten „Namen“ der slowakischen Neonazi-Szene: Der Vorsitzende der Ľudová strana Naše Slovensko (Volkspartei Unsere Slowakei) Marian Kotleb, der prominenteste Redner der Demonstration, begrüßte die Menge mit dem Wunsch nach einem „klaren weissen Tag“. Marián Magát, Kopf der paramilitärischen Neonazigruppe Vzdor Kysuce (Widerstand Kysuce), „enthüllte“ den „wahren Grund der Krise“: “Es ist nicht die Schuld der Syrer oder der Libyer das sie flüchten müssen, es ist Israels Schuld“.

Die tschechische Naziszene war vertreten durch den Vize-Vorsitzenden der Dělnická strana (Arbeiterpartei), Jiří Froněk aus Karlovy Vary, der auch Aktivist des Národní Odpor Karlovarsko (Nationaler Widerstand – Region Karlovy Vary) ist und eine der Hauptverbindungen zur deutschen Neonazi-Szene. Vermummte Fussball-Hooligans störten ein internationales Radrennen und attackierten die Zuschauer, Familien mit Kindern eingeschlossen. (LINK: https://www.youtube.com/watch?v=Mjd_wA4EbeM)

Und schlussendlich, was für eine Überraschung, attackierten betrunkene Nazis eine Familie mit einem Baby im Kinderwagen und einen in der Nähe stehenden Journalisten. Die slowakische Polizei konnte die Nazis nicht kontrollieren, trotz massivem Kräfteaufgebot war sie unfähig, die oft betrunkenen Neonazis davon abzuhalten People of Color zu attackieren. Vielmehr steckte sie viel Energie in ihre Bemühungen, MenschenrechtsaktivistInnen und AntifaschistInnen davon abzuhalten, eine Protestdemonstration zu besuchen und so erreichte deren Teilnehmerzahl nicht die viel versprechende Anzahl der Zusagen des Social-Media Events zur Demo.

Eine Fortsetzung dieser Demonstration ist nun für den 26. Juni in Brno (Tschechien) geplant. Die Neonazi-Szene von Brno mobilisiert massiv. Der Grund ist einfach: Die Nazis wurden in Brno vor einigen Wochen gedemütigt, als sie zahlenmässig von den EinwohnerInnen der Stadt um ein vielfaches übertroffenen wurden, die am 1. Mai einen versuchten Neonazi-Aufmarsch blockierten. Die jetzige Demonstration unter dem Titel „Wir wollen keine Refugees in Tschechien“ ist organisiert von der Dělnická strana sociální spravedlnosti (DSSS, Arbeiterpartei der Sozialen Gerechtigkeit) und ihrer Jugendorganisation Dělnická mládež (Arbeiterjugend). Hauptorganisator ist Erik Lamprecht, Vize-Vorsitzender der Partei und Vorsitzender ihrer Jugendorganisation.

Erik Lamprecht ist langjährig aktiver Neonazi und zweitwichtigste Verbindung zwischen der „Arbeiter Partei“ und der deutschen Neonaziszene. Die Arbeiterpartei versucht sich mit allen Mitteln zu etablieren. Am 16. Juli beteiligte sich eine Delegation der Partei (Vorsitzender Vanda, Vize-Vorsitzende Štěpánek und Lamprecht, Parteimitglied Libor Sojka) an einem Treffen der Allianz fuer Frieden und Freiheit (APF) im Europaparlament in Bruessel. Die Arbeiterpartei wurde an diesem Tag mit den Stimmen aller Mitglieder offiziell in die Allianz aufgenommen. Erik Lamprecht bekam die Chance, Größen der internationalen Neonaziszene wie Udo Voigt (NPD), Nick Griffin (Vorsitzender der British National Party), Georgios Epitideios (Mitglied im Europaparlament für die griechische Neonazipartei Golden Dawn), Roberto Fiore (Vorsitzender der APF und Vorsitzender der italienischen Forza Nuova), Jens Pühse (Generalsekretär der APF), Daniel Carlsen (Vorsitzender der Danskernes Parti) und vielen anderen die Hand zu schütteln.

Begleitet wird die Neonazi-Demonstration am 26. Juni in Brno von einem kulturellen Event ,wie es fast immer Teil größerer Events der Arbeiterpartei ist. Am gleichen Tag findet im Autohaus Obora ein bereits seit langem geplantes Nationalsozialistisches Black Metal Festival, das Hell Fast Attack, statt. Wir haben vor kurzem einen ganzen Artikel über das Festival geschrieben. (link: http://www.antifa.cz/content/hell-fast-attack-nsbm). Headliner des Festivals ist die bekannte NSBM Band Nokturnal Mortum aus der Ukraine, die oft auf Veranstaltungen des paramilitärischen „Rechten Sektors“ spielt und auch Neonazis und ultranationalistische Freiwillige unterstützt, die Seite an Seite mit pro-russischen Separatisten in der Ostukraine kämpfen.

MigrantInnen fliehen aus ihren Ländern vor Krieg und Armut. Nationalistischer, religiöser oder ethnischer Hass, politische Machtkämpfe, Ressourcenkriege oder schlicht Armut sind die Gründe die sie von zuhause „wegjagen“. Es gibt keinen einzigen Grund, den Faschisten und Nazis zuzuhören. Ihre „Lösungen“ haben immer Zerstörung und Verzweiflung gebracht. Ihr mythisches Konstrukt einer vereinten Nation, entweder basierend auf Kultur oder Rasse, und ihr Mangel an Empathie haben immer eine ganz grundsätzliche Tatsache übersehen – die Diversität der Menschheit. Und wir sollten die Nazis nicht fürchten. Ganz im Gegenteil, es gibt viele Gründe, sich ihnen entgegenzustellen, wenn sie meinen, eine soziale Situation entwickle sich zu ihren Gunsten und dass sie die Straße nach langer Zeit zurückerobern könnten.

Wir sehen uns am 26. Juni in Brno. Die Antifaschistische Aktion unterstützt die Mobilisierung von „Brno Blokuje“ (Brno Blockiert) und ihre geplante Blockade des Neonazi-Aufmarsches.

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