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Updates und Überlegungen zu den Protesten am 6. Juni

Wir haben hier nochmal einen Überblick zu unseren Überlegungen für die Verhinderung des Naziaufmarsches am 6. Juni zusammengetragen.
Die aktuelle Actionmap für Samstag findet ihr hier, außerdem könnt ihr euch auch auf der Antifa-Vorabenddemo am 5. Juni (19:00 Yppenplatz) ein gedrucktes Exemplar holen.
 

Freitag 05.06.2015

Am Freitag organisieren wir als Teil der antifaschistischen Plattform „Turn Left – Smash Right!“ zur Verhinderung des Naziaufmarsches eine antifaschistische Vorabenddemo. Sinn und Zweck der Demonstration ist es, auf den Naziaufmarsch am Folgetag aufmerksam zu machen. Die Demo hat also einen klaren mobilisierenden und nicht-konfrontativen Charakter, soll aber zugleich einen entschlossenen und starken Ausdruck haben. Geht es am Samstag darum den Naziaufmarsch zu blockieren, wollen wir am Freitag unsere Inhalte selbstbestimmt auf die Straße tragen. Wir werden uns um 19:00 Uhr am Yppenplatz treffen und Richtung 15. Bezirk laufen. Während der Demonstration wird es eine organisierte Rechtshilfe geben. Der Hashtag auf Twitter wird für beide Tage #blockit lauten. Haltet weiterhin Ausschau nach neuen Informationen und checkt nochmal, was ihr auf die Demo mitnehmt (https://raw.at/tipps/ich-packe-meinen-demo-rucksack/) und lest euch die Rechtshilfetipps auf www.rechtsinfokollektiv.org durch.

Samstag 06.06.2015

Angemeldete Kundgebungen: Infopoint vor dem Haupteingang des Hauptbahnhofs (Plattform Turn Left – Smash Right!), Columbusplatz Ecke Laxenburgerstraße (Offensive gegen Rechts Demoendpunkt. Startpunkt Reumannplatz).

Unserer Meinung nach gibt es zwei mögliche Szenarien:

Szenario 1:
Öffentlich kommunizieren die „Identitären“, dass sie sich am Columbusplatz sammeln und durch den 10. Bezirk ihren Aufmarsch abhalten wollen. Der Ort der Abschlusskundgebung soll laut der Facebookseite der Identitären am Verteilerkreis sein. Am Verteilerkreis befindet sich das Austria-Wien Stadion, ein Burger King sowie das Laaerbergbad, ein öffentliches Sommerbad der Stadt Wien. Zudem gibt es dort die Florian Geyer Gasse. Nach Florian Geyer – einer Führungsfigur des Bauernkrieges von 1525 – wurde auch die 8. SS-Kavalleriedivision benannt. Es ist davon auszugehen, dass Samstag Nachmittag am Verteilerkreis schon einiges los sein wird, daher erscheint es uns als nicht so unrealistischer Schlusskundgebungsort. Laut unseren Information haben die „Identitären“ auch eine Route angemeldet, die vom Columbusplatz über die Columbusgasse und den Reumannplatz die Weldengasse parallel zur Favoritenstraße zum Verteilerkreis führt. Insgesamt beträgt der Gehweg vom Columbusplatz zum Verteilerkreis etwa 3 km und wird auf Online-Kartendiensten mit 30 Minuten angegeben.

Szenario 2:
Die „Identitären“ kommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln am Hauptbahnhof – als zentralem Verkehrsknotenpunkt – an und sammeln sich auch dort, um zum Columbusplatz zu gelangen. Wenn die antifaschistischen Proteste den Columbusplatz frühzeitig unter Beschlag nehmen, wäre es für die Faschist_innen sehr einfach, vom Hauptbahnhof mit ihrer Demonstration zu beginnen. Wenn wir ein hypothetisches Szenario entwerfen, in dem die Identitären gar nicht erst den Columbusplatz als Kundgebungsort in Betracht ziehen und auch mit ihrem öffentlich kommunizierten Abschlusskundgebungsort Verteilerkreis den Linken eine Finte legen wollen, dann wäre es auch realistisch, dass sie vom Hauptbahnhof/Columbusplatz Richtung Innenstadt gehen wollen. Hier eignet sich die Favoritenstraße nach dem Südtirolerplatz als mögliche Route, die direkt zum Karlsplatz oder anderen Punkten in der Inneren Stadt führt. Diese Route wäre um einiges repräsentativer und auch der Abschlusskundgebungsort wäre zentraler, was auch das wegkommen für sie erleichtert. Am Verteilerkreis gäbe es nur die Straßenbahn 67, sowie den Bus 15A. In diesem Szenario sind also die veröffentlichten Informationen zu ihrem Aufmarsch eine Finte um in aller Ruhe, während sich die antifaschistische Linke im 10. Bezirk bewegt, durch den 4. Bezirk ihren Aufmarsch abhalten zu können. Für die Polizei wäre es auch einfach, die antifaschistischen Gegenproteste im 10. Bezirk festzusetzen.

Abschließende Bemerkungen

Entweder wollen die „Identitären“ also einen Aufmarsch im 10. Bezirk abhalten und kündigen das auch öffentlich an, was als klare Provokation aufzufassen wäre. Der 10. ist ein stark proletarisch und migrantisch geprägter Bezirk. Gleichzeitig gibt es dort auch eine große Wähler_innenschaft der rechtsextremen FPÖ. Ihrem Motto getreu könnten sie dort vor dem herbeihalluzinierten „großen Austausch“ warnen. Im 10. Bezirk in der Herzgasse befindet sich zudem das Vereinslokal der neonazistischen Hooligantruppe von „Unsterblich Wien“ welche 2013 das EKH überfallen haben. Das birgt natürlich ein großes Gefahrenpotential für den Tag, vor allem weil deren Vereinslokal angekündigt hat, ab 12 Uhr seine Türen zu öffnen. Oder sie versuchen durch gezielte Desinformation die antifaschistischen Proteste ins Leere laufen zu lassen. Auch wenn unseren Informationen zufolge eine Route angemeldet ist, haben die „Identitären“ bis 24 Stunden davor die Möglichkeit, ihre Route nach Belieben zu ändern bzw. weitere anzumelden. Gerade der Aufmarsch letztes Jahr am 17. Mai hat gezeigt, dass die Polizei den Faschist_innen alternative Routen anbietet, sollte die ursprüngliche Route blockiert werden. In jedem Fall sind wir aber für beide Szenarien vorbereitet und wollen sie hiermit öffentlich machen, sodass sich Bezugsgruppen und Einzelpersonen auch auf diese Szenarien vorbereiten können. Es ist daher wichtig für den Tag mobil und informiert zu bleiben. Dafür wird es am 6. Juni ein Infotelefon geben, außerdem gibt es einen Ticker (ticker.raw.at) und Infos auf Twitter. Eine Actionmap wird bereits am Freitag auf der Antifa-Vorabenddemo verteilt werden und ist auch online abrufbar.

Verhindern wir gemeinsam und entschlossen den Naziaufmarsch am Samstag! Alerta!