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Traiskirchen du Drecksnest

Ein kurzer Bericht über die heutigen Ereignisse:

Heute fand in Traiskirchen eine Kundgebung der FPÖ gegen die örtliche Erstaufnahmeeinrichtung statt. Ein Mix aus ca. 300 rassistischen Bürger_innen und biertrinkenden Dorfnazis versammelte sich um HC Strache um seinen rassistischen Hetzreden zuzujubeln. Refugees und Antifaschist_innen hatten dagegen mobilisiert. Bereits am Bahnhof wurde diesen ein „schöner“ Empfang von der Traiskirchner Bevölkerung bereitet. Als Antwort auf die ersten Parolen kam ein „wir sind hier in Österreich redets gfälligst deitsch“. Nach einigen Redebeiträgen, die die Situation von Geflüchteten in Traiskirchen und allgemein in der EU thematisierten, startete eine Sponti von ca. 60 Antifaschist_innen in Richtung Kundgebungsort der FPÖ. Nach einigen Metern kam es bereits zu einer Auseinandersetzung mit provozierenden Nazis. Am Marktplatz angekommen wartete ein grosses Bullenaufgebot. Nach wenigen Minuten wurde die Sponti aggressiv auf den, der FPÖ Kundgebung gegenüberliegen, Bürgersteig gedrängt. Umringt von Polizeiaufgebot und pöbelnden Dorfnazis gelang es jedoch zumindest die mittlerweile begonnene Kundgebung lautstark zu stören. Nicht in direkter Ruf- und Sichtweite hatte sich die Sozialististsche Jugend (SJ) lieber dazu entschieden, die Anwesenden mit akustischen Coverversionen von „Schrei nach Liebe“ im niederösterrischen Dialekt zu quälen, anstatt die Kundgebung der FPÖ effektiv zu stören. Die anwesenden Polizist_innen schienen ihre ersten außerverkehrspolizeilichen Erlebnisse im Schikanieren von linken Demonstrant_innen gesammelt zu haben. Die örtliche Landjugend, bei denen sich Thor Steinar als Kleindungsmarke anscheinend großer Beliebtheit erfreut, schien die Antifa Demo mehr zu interessieren als die rassistische Kundgebung von „HC“. Wir waren froh als wir wieder den Zug zurück Richtung Stadt betreten hatten und nach Wien fuhren, wo die Zivilisation wenigstens einen Schleier über die Barbarei gelegt hat. Aus diesem Grund würen wir den verbliebenen vernünftigen Traiskirchner_innen raten: Haut ab aus diesem Drecksnest bevor es zu spät ist!

In diesem Sinne: Für den Kommunismus! Befreit die Refugees von Traiskirchen!


Unser Flugblatt, das wir auf der Kundgebung verteilt haben könnt ihr hier nachlesen:

Wir sind hier aus purer Feindschaft…

Mit den Worten „Es muss wohl erst Tote geben, bis die Verantwortlichen Vernunft annehmen“ wird der FPÖ Bezirksobmann von Baden, Peter Gerstner, in einer Aussendung zitiert. In Anbetracht der rassistischen Politik der FPÖ, ihrer starken Verbindungen in organisierte neonazistische Kreise und der ständigen Hetze durch Medien und Politik muss diese Aussage als Drohung verstanden werden! Nun wurde von der FPÖ zu einem Protestmarsch gegen die Erstaufnahmestelle Traiskirchen aufgerufen. Organisiert wird der rechte Aufmarsch ausgerechnet von Christian Höbart, Landesparteichef in Niederösterreich. Höbart erfuhr vor allem durch seine verbalen „Entgleisungen“ mediale Aufmerksamkeit: Er hatte Asylwerber_innen u.a. als „ungebildete Höhlenmenschen“ und „Bestien“ bezeichnet. Linkes „Gesindel“ will er am liebsten „mit Schlagstöcken so richtig massieren“.

In der Gesamtheit der Vorgänge, die sich gegen Asylsuchende in Österreich richten, zeigt sich ein unverkennbares Bedrohungspotential. Ob als Brandanschlag wie neulich in Tirol, als Demonstration wie heute, oder in Form von Politiker_innen, die von Kapazitätsgrenzen und unzumutbaren Belastungen reden: Überall da wo sich ein Anlass bietet, bricht sich im Jahr 2014 die hässliche Fratze des Rassismus bahn. Diese Proteste sind, in all ihrer Widerwärtigkeit, leider nur die Spitze des sprichwörtlichen Eisbergs. Der strukturelle und institutionelle, der alltägliche Rassismus, der die Praxis der sogenannten Ausländerbehörden bestimmt, ist die Grundlage für das, was in Fieberbrunn, in Traiskirchen und überall in Österreich geschieht. Menschen, die in Österreich um Asyl bitten, werden in alte Schulen, verlassene Kasernen, an entlegene Orte geschafft. Mit Unterkünften, die Gefängnissen gleichen, wird klar gemacht, dass man hier alles andere als willkommen ist. Dass sich die autochthone Bevölkerung, mit ihrem kleinstädtischen Charakter in Kopf und Vorgarten, gegen diese Menschen wendet, ist dabei vielleicht gewünschter, mindestens aber geduldeter Nebeneffekt. Alternative Konzepte wie die dezentrale Unterbringung oder gar ein selbstbestimmtes Wohnen schon während des Asylverfahrens kommen so selten oder nie zur Anwendung. Zu groß scheint die Gefahr, dass sich andere Menschen mit den Geflüchteten anfreunden, ihnen Rechtsbeistand verschaffen, versuchen ihnen ein gutes Leben zu ermöglichen, kurz sich mit ihnen solidarisch zeigen.

Aus antifaschistischer Sicht kann uns die Ehrenrettung jeder Dorfgemeinschaft ziemlich egal sein. Der postnazistische österreichische Normalzustand ist auch ohne Nazis und FPÖ schon schlimm genug. Im Bewusstsein der eigenen Überflüssigkeit, das ohnehin zur Grundausstattung jedes Arbeitskraftbehälters gehört, in den ländlichen Zonen allerdings besonders stark ausgeprägt ist, ist die Stimmung auf den ortseigenen Stammtischen alles andere als antifaschistisch. Sieht man das Zentrum allen Übels weniger in „der Idiotie des Landlebens“ (Marx), der Barbarei einschlägiger österreichischer Dorfgemeinschaften, die in größeren Städten auch mal den Namen „Bezirk“ für sich beanspruchen dürfen, sondern nur in Neo-Nazis und der FPÖ, ist es kein Wunder, dass die Kritik mehr als nur ein paar blinde Flecken aufweist. Die Nazis sind jedoch nur der militante Arm der Dorfgemeinschaft, die vieles offen aussprechen, was andere nicht wagen. Die Ressentiments gegenüber „dem Fremden“ und der Hass gegenüber dem eigenen Nachbarn sind weit verbreitet und trüben das romantische Bild der ländlichen Idylle. Hier zeigt sich wieder einmal der Mangel jeder antifaschistischen Theorie und Praxis, die sich nur auf Nazis konzentriert, nichts über den österreichischen Normalzustand zu sagen hat und somit vergisst, dass Nazis und rassistische Mobilmachungen nicht einfach vom Himmel fallen.

Ausgehend davon, dass die „Normalität der Ort ist wo die Wahnsinnigen produziert werden“, können die Grundlagen für rassistische Vergemeinschaftungen nur dann entzogen werden, wenn die verwaltete Welt von Staat, Nation und Kapital aufgehoben wird. Ansonsten bleibt Antifaschismus ein Kampf gegen Windmühlen. Nichtsdestotrotz gilt es den völkischen Freaks an diesem Tag eine praktische Abfuhr zu erteilen und deren „Protestmarsch“ nicht ohne Protest über die Bühne gehen zu lassen. Denn Rassismus tötet, egal ob durch Asylgesetze, Pogrome, Abschiebungen.

…gegen eure Volksgemeinschaft!