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Warum die Burschenschaft Teutonia kein Naziproblem hat, sondern eines ist!

Die Wiener akademische Burschenschaft Teutonia ist die aktuelle Vorsitzende des Wiener Korporationsrings (WKR) im Geschäftsjahr 2014/2015. Sie ist es also, die für den WKR-Kommers Ende November als zentrale Organisatorin auftritt. Die Tätigkeiten und Veröffentlichungen der Burschenschaft Teutonia stellen noch einmal in aller Deutlichkeit unter Beweis, wofür das völkische Verbindungswesen in Österreich steht: für NS-Verherrlichung und Rechtsrevisionismus, für Revanchismus und Täter-Opfer Umkehrung, für völkischen Nationalismus und Rassismus, Antisemitismus und Sexismus.

Ein kurzer Rückblick über das Treiben der Braunen Brüder von der Teutonia:

Die Burschenschaft Teutonia wurde 1868 in Wien gegründet und gehörte von Anfang an dem völkisch-antisemitischen Flügel der deutschnationalen Bewegung an. Die Teutonia „gehörte in dieser Zeit zu den treuesten Anhängern der politischen Ideen Georg Ritter von Schönerers“, so der Teutone Jan Ackermeier in den Burschenschaftlichen Blättern. Schönerer war Führer der Deutschnationalen, wüster Antisemit und hatte erheblichen Einfluss auf Hitler und die nationalsozialistische Ideologie. So verwundert es auch nicht, dass aus der Teutonia, die schon 1889 Schönerer zum Ehrenburschen ernannten, nach der freudigen Selbstauflösung im Zuge des „Anschlusses“ an das nationalsozialistische Deutschland, die „Kameradschaft Georg Ritter von Schönerer“ wurde. Nach der „Niederlage […], Ausbombung und Besatzung“ (Ackermeier in den Burschenschaftlichen Blättern) – gemeint ist wohl die militärische Niederschlagung des Nationalsozialismus – nahm die Teutonia im Jahr 1952 den „Aktivenbetrieb“ wieder auf.

Schönerer

Ihre Hochphase in der neonazistischen Szene erlebte die Teutonia um 1990, als ihre Aktivitas zum Großteil aus VAPO-Aktivisten bestand, sie damit zum universitären Arm des militanten Neonazismus in Österreich avancierte und sich nachdrücklich für eine Hausdurchsuchung im Zuge der Briefbombenermittlungen empfahl, die im Dezember 1993 stattfand. Besondere Verdienste erwarben sich in dieser Zeit Alois Desch, der einen Brandanschlag auf das besetzte Haus in der Ägidigasse verübte, Johannes Pammer, der Heinz-Christian Strache in den Kärntner Wäldern auf den nationalen Ernstfall vorbereitete [1], und Franz Radl [2], der etwa zeitgleich sowohl als Sprecher des Wiener Korporationsrings/WKR und der AG Wiener Burschenschaften und Landsmannschaften/WBL, als auch als Führer der neonazistischen Volkstreuen Jugendoffensive und Herausgeber des ein junges Publikum adressierenden Rassistenblättchens “Gäck” fungierte. Über diese Tätigkeiten empfahl er sich zum „wissenschaftlichen“ Mitarbeiter des Holocaustleugners Gerd Honsik, wie auch für seine spätere Tätigkeit als Ghostwriter Gottfried Küssels auf alpendonau.info.

Nach der vorübergehenden behördlichen Sistierung der Generation Radl war es zwischenzeitlich etwas still um die Teutonia geworden. Die Mitgliedschaft in der extrem rechten Burschenschaftlichen Gemeinschaft/BG, Veranstaltungen mit Leuten wie dem Rechtsaußen-Verleger Wolfgang Dvorak-Stocker (2008) oder Freundschafts- und Kartellverhältnisse zu den braunsten aller Burschenschaften (im Falle Teutonias u. a. Brixia Innsbruck, Danubia München und B! der Raczeks zu Bonn) sind im burschenschaftlichen Milieu Österreichs ohnehin obligat.

In letzter Zeit gab man sich aber alle Mühe, verlorenen Boden gut zu machen. Zunächst wurde das Linkverzeichnis der bundeigenen Heimseite gehörig in alle Himmelsrichtungen erweitert. Wo sich zuvor nur Verweise auf Universitätswebsites, den Fahrplan der Wiener Linien oder heimelige Bierlokale fanden, grüßen nun die Netzpräsenzen von Gruppen wie der neonazistischen Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland/JLO oder der Kolonialnostalgiker vom Hilfskomitee Südliches Afrika. Erstere organisierten alljährlich den größten Neonaziaufmarsch Europas in Dresden, wohin auch die österreichischen alpendonau-Nazis (und heutige „Identitäre“) Abordnungen zu entsenden pflegten. Die Hinwendung der Teutonia zur JLO dürfte nicht zuletzt auf die simultanen Aktivitäten von Jan Ackermeier für beide zurückzuführen sein. Dieser fand neben seiner Vielschreiberei (u. a. für Andreas Mölzers “Zur Zeit”) und seinem Job als parlamentarischer Mitarbeiter von FPÖ-Nationalrat und Strache-Intimus Harald Stefan im September 2010 auch noch Zeit, ein länderübergreifendes Treffen faschistischer Kader auf der Pack zu organisieren. Solche Aktionen bringen Renommee im Milieu. Dass Stefan – immerhin selbst Olympe – daraufhin Ackermeier den Sessel vor die Tür stellte, nahmen die Teutonen zum Anlass, weiter Pluspunkte zu sammeln: in einer Erklärung vom Oktober 2010 bekundeten sie Ackermeier demonstrativ „das vollste Vertrauen der Burschenschaft und aller Farbenbrüder“, erklärten seine „Vorgehensweise“ für „im Einklang mit der allgemeinen Bundlinie“ und unterstellten Stefan „persönliches Vorteilsdenken“; all dies nicht ohne Hinweis, dass die Klarstellung „mit Rücksicht auf die Wiener Landtagswahl“ – also auf die FPÖ, der sich selbstredend auch die Teutonen verpflichtet fühlen (und der sie etwa über ihren Alten Herren und langjährigen FP-Nationalrat Reinhard Bösch eng verbunden sind) – erst verspätet zur Aussendung gelangte.

Ebenfalls im Oktober 2010 brachten Teutonen vor dem Juridicum ein Flugblatt zur Verteilung, auf dem unverblümt Grenzrevisionen in der Größenordnung von 1938ff gefordert wurden: So würden „Südtirol, Deutschböhmen, Südkärnten, die Südsteiermark, Teile des Burgenlandes, das Elsaß, ganz Ostdeutschland und viele andere Gebiete von den Siegermächten und ihren Vasallen besetzt gehalten“, woraus selbstredend die Forderung folgt, die „Gebietsabtretungen“ zu „revidieren“. Starker Tobak selbst für österreichische Verhältnisse.

Teutonia Schandverträge Flyer 2010

2012 machte der Teutone Herbert Orlich von sich Reden, als er als Verteidiger des Neonazis Gottfried Küssel, der wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung im Zusammenhang mit der Neonazi-Homepage alpen-donau.info vor Gericht saß, den Hitlergruß im Verhandlungsaal demonstrierte. Bereits zwei Jahre zuvor hatte Orlich den Holocaust-Leugner Gerd Honsik verteidigt. [3]

Ebenfalls 2012 verteilte die Teutonia eine antisemitische Schmähschrift gegen den damaligen Präsidenten der israelitischen Kultusgemeine Ariel Muzicant, in welcher sie fast kein antisemitisches Stereotyp (Freimaurer-Verschwörungstheorien, Antiintellektualismus, der Jude als Vaterlandsverräter und Kommunist usw.) ausließen. Hintergrund des antisemitischen Machwerks war die von Muzicant erhobene Forderung, dass der WKR-Ball 2012 nicht in den Räumlichkeiten der Wiener Hofburg stattfinden soll [4]. Der WKR-Ball, bei dem sich regelmäßig Holocaustleugner und Rechtsextreme aus ganz Europa ein Stelldichein gaben, fiel 2012 auf den Befreiungstag des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Das Flugblatt schließt mit den Worten: „nach der Pfeife des Muzicanten werden die Studenten des WKR nicht tanzen!“

Teutonia Flyer Muzicant 2012

2013 übernahm die Teutonia den Vorsitz der Deutschen Burschenschaft (DB). Schon zuvor, am Sonder-Burschentag in Stuttgart 2012 traten „liberalere“ Bünde aus der DB aus, da sie sich nicht gegen die stramm rechten deutsch-völkischen Verbindungen durchsetzen konnten. Mit der Übernahme des Vorsitzes durch die Wiener Teutonen wurde der rechtsextrem-völkische Kurs der DB besiegelt. Dies veranlasste deutsche Medien über die rechtsextremen Umtriebe der Teutonen zu berichten [5]

Den letzten öffentlichen Auftritt lieferten sich die Schmissgermanen der Teutonia mit einem Flugblatt gegen die Einweihung des neuen Deserteursdenkmals am Wiener Ballhausplatz am 24.10.2014. Dort wird „die alte Pflicht“ jener Beschworen, die unter der Fahne der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie in den Krieg gezogen sind. Schuld daran, dass es überhaupt zu solch einer Denkmaleinweihung kommen konnte, was die Burschen der Teutonia übrigens als „willfährige Zersetzung von Volkstum und Nationalbewußtsein“ (Flugblatt der Teutonia zum Deserteursdemkmal 2012) deuten, sind „dieselben Figuren“ die uns an die „Bürokraten der EU, an korrupte Medien, an die internationale Hochfinanz“ verkauft haben sollen. Womit wir wieder beim wahnhaften pathologischen Antisemitismus des völkisch-korporierten Milieus angekommen wären. Das Flugblatt wurde natürlich umgehend vom oben schon genannten Teutonen und FPÖ-Nationalratsabgeordneten Reinhard Bösch, auf Nachfrage einer Journalistin, verteidigt. Bösch fällt zu dem Thema Wehrmachtsdeserteure anscheinend nichts anderes ein, als die US-Army mit dem Nationalsozialismus zu vergleichen. Auf jeden Fall aber begrüße er die Flugblattaktion, weil sich da zumindest „junge Leute in Zeiten der Politikverdrossenheit damit befassen und vielleicht auch ihre eigene Sprache finden“. [6]

Vergleich Teutonia Flyer Deserteursdenkmal 2012 / 2014

Dass der WKR-Kommers Ende November im Rathauskeller stattfinden kann, scheint der Rot-Grünen Stadtregierung egal zu sein. Dabei ist es doch mit dem WKR-Vorsitz der Teutonia klar, für welche politische Ideologie Burschenschafter in Österreich stehen. Von dem was in den Buden hinter verschlossener Tür passiert ganz zu schweigen.

Den WKR-Kommers im Rathauskeller unmöglich machen!

[1] http://www.doew.at/erkennen/rechtsextremismus/neues-von-ganz-rechts/archiv/jaenner-2007/straches-spielkameraden

[2] http://www.stopptdierechten.at/2012/05/12/graz-prozess-gegen-franz-radl-und-mitangeklagte/

[3] http://kurier.at/politik/kuessel-prozess-anwalt-hielt-hitler-vortrag/788.341

[4] http://derstandard.at/1323223013233/Muzicant-ueber-WKR-Ball-Verhoehnung-der-Opfer-der-Schoah

[5] http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/deutsche-burschenschaft-wiener-teutonia-uebernimmt-den-vorsitz-a-873889.html

[6] http://derstandard.at/2000007663209/Die-Teutonia-und-die-alte-Pflicht