AllgemeinAufruf

Süßes, sonst gibt’s Saures!

Demo-Parade gegen den Horror des Kapitalismus!
31. Oktober 2011 // 18:30 Uhr // Europaplatz, Wien

halloween

Vom Monster im Schrank …

Wir alle haben das in irgendeiner Weise durchgemacht. Es wird dunkel, die Kinderzimmertür geht langsam zu, und die Angst ist da. Ob nun vor dem Monster im Schrank, der Spinne in der Ecke, oder einfach nur vor Alpträumen oder der Dunkelheit selbst. Aus dem Kindesalter hinausgewachsen, erscheinen uns solche Ängste irrational und unlogisch. Die Allgemeinheit meint dann, dass „die Kinder das halt noch nicht verstehen“, oder prinzipiell einfach ängstlicher wären. Jedoch beschränken sich Ängste nicht auf Kinder und ihre Furcht vor dem Monster im Schrank, sondern auch – oder vor allem – „Erwachsene“ sehen sich im kapitalistischen Alltag mit der realen Angst ums Überleben konfrontiert. Diese Angst ist aufgrund kapitalistischer Logik durchaus rational. Werden diese Ängste jedoch objektiv betrachtet, also aus Perspektive einer industrialisierten Gesellschaft, die in der Lage ist ausreichend Ressourcen hervorzubringen um das Überleben – und den Luxus – für alle zu sichern, erscheint diese Angst plötzlich so irrational wie die vor dem Monster im Schrank.

… zur kapitalistischen Gesamtscheiße.
Die ständige Beurteilung in Konkurrenz zu anderen beginnt als Schulkind und hört im Arbeitsleben auch nicht wieder auf. Wer außerdem keinen glänzenden Abschluss vorweisen kann, braucht erst recht nicht glauben eine halbwegs erträgliche Arbeit oder überhaupt irgendeine zu finden. Keine große Überraschung also, dass bei solchen Horrorszenarien ständig Angst vor Bewertung und dem möglichen Versagen gegeben ist. Immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass eine schlechte Bewertung zu einer Verschlechterung des Lebensstandards oder zu der Gefährdung der Existenzgrundlage führt, versuchen wir im Konkurrenzdruck andere zu übertreffen, „besonders“ zu sein und präsentieren uns zu jeder Zeit so geeignet wie möglich. Der Verlust des Arbeitsplatzes oder die bewusste Verweigerung von Lohnarbeit führt häufig zum unfreiwilligen Ausstieg aus sozialen Netzwerken und generell zum Ausschluss aus der Gesellschaft. Dieser Ausschluss wird somit in jeder Bewertungssituation angedroht, sollte mensch die angeforderten Leistungen nicht erbringen können oder wollen. Arbeit will also erarbeitet sein. Das alleine ist schon eine Absurdität für sich. Vor lauter Angst aber, dem Druck nicht Stand halten zu können, nehmen wir jede auch noch so absurde Scheiße in Kauf. Beim Versagen in der Schule, im Studium oder am Arbeitsplatz ziehen wir u.a. uns selbst zur Verantwortung, sehen den Grund in unserer eigenen „Unfähigkeit“. In der Folge werden Bedürfnisse unterdrückt, Ängste als „normal“ wahrgenommen und prekäre Arbeitsverhältnisse dadurch als „eigene Schuld“ begriffen: als Konsequenz von schlechten Zeugnissen, geringer oder keiner Berufsausbildung, oder schlichtweg weil sich „nicht genug angestrengt wurde“, obwohl eine*r selbst sowieso schon am Limit der eigenen Möglichkeiten steht.

Aber nicht immer suchen wir die Schuld bei uns selbst…
In der Schule haben wir das alle schon mal erlebt. Auch wenn man selbst nicht der beste in Mathe ist, es gibt sicher eine_n der_die noch weniger Punkte bei der Schularbeit erreicht hat, und die*den man verarschen kann. Oder wenn wir uns zur Arbeit schleppen, schimpfen wir über die herumlungernden Arbeitslosen, weil sie scheinbar dem Zwang zur Lohnarbeit entgehen. Und findet wir dann mal doch keinen Job, sind wir nicht eine_r von denen die arbeitsunwillig sind aber die anderen die nicht arbeiten schon. Sozialchauvinismus ist eine Krisenideologie des Kapitalismus. Sie richtet sich gegen alle, die nicht ins Idealbild einer kapitalistischen Leistungsgesellschaft passen. Die Betroffenen werden erniedrigt und ausgegrenzt. Sie werden selbst für ihre gesellschaftliche Lage verantwortlich gemacht und bekommen dabei noch einen schlechten Charakter zugeschrieben. Arbeitslose seien „faul“, „dumm“, „Sozialschmarotzer“ und wollen sich einfach nicht produktiv für die Gesellschaft einbringen. Andere greifen für die Erklärung gleich zu schlechten Genen, das ist dann der Rassismus Thilo Sarrazins. Die gesellschaftlichen Ursachen von Massenarmut und Arbeitslosigkeit werden unterschlagen und der soziale Ausschluss wird als selbst verschuldet dargestellt. In der Krise haben Ideologien wie Sozialchauvinismus enormen Aufwind. Es ist der Versuch der vereinzelten, in Konkurrenz zueinanderstehenden Subjekte, den eigenen Bedrohten Status zu schützen und die eigene Nützlichkeit zu untermauern. Die verbreiteten Vorurteile gegen vermeintliche Sozialschmarotzer haben also nichts mit der Realität zu tun. Viel dagegen mit der Angst selbst abzusteigen. Und Angst macht autoritär. Aus dem Blick gerät dann, dass Unsicherheit und Ohnmacht aus der kapitalsitischen Gesellschaft selbst entsteht. Sozialchauvinismus bietet für alle ein Angebot – egal, wie scheiße es einem schon geht, man findet immer jemanden, auf den man von Oben treten kann.

(Wasch-)Maschinen abschaffen!?

Wenn „Burn-Out“ gefährdete Menschen dann nach immer mehr Arbeit schreien, und selbst den Fortschritt in der Produktion durch Maschinen wieder abschaffen wollen, nur um immer mehr und immer schwerer arbeiten zu können, erscheint das nicht wirklich logisch. Zu Hause ist mensch über Waschmaschine und Geschirrspüler schließlich auch froh, und würde sie nicht abschaffen wollen. Im Kapitalismus gestaltet sich eine solche Logik allerdings etwas schwieriger, denn dieses System strebt nach Profit und nicht nach der Befriedigung von Bedürfnissen. Das heißt, dass weniger Arbeitsplätze, welche durch das Einsetzen von Maschinen überflüssig werden, durchaus mehr Profit bedeuten und somit im kapitalistischen Sinne erstrebenswert sind. Also sind Maschinen, die Arbeitsschritte erleichtern oder zur Gänze übernehmen, eine Bedrohung von Arbeitsplätzen und somit eine Bedrohung von Existenzgrundlagen. So absurd es in dieser Betrachtungsweise auch klingt 40 Stunden arbeiten zu wollen – obwohl die Arbeit auch Maschinen erledigen könnten – so real sind doch die Verhältnisse des Kapitalismus, die uns dazu zwingen. Das Problem sind demnach weder Maschinen, noch Konzerne oder sonst wer, sondern ganz simpel – das kapitalistische System.

1000 Fluchtwege zum „Glück“
Diese Gesellschaft ist so eingerichtet, dass uns allgemeines Glück tagtäglich verwehrt wird. Individuelles Glück ist meist nur von kurzer Dauer bevor es durch die Zwänge und Zumutungen durch die kapitalistische Gesellschaft wieder durchgestrichen wird. Um nicht irgendwann komplett durchzudrehen, gehen wir am Wochenende auf Partys. Partys sind im Kapitalismus aber meistens nur ein Ventil – um die restliche Zeit über, mit sich selbst und der ganzen Scheiße um sich herum, klar zu kommen. Drogengebrauch ist nicht notwendigerweise subversiv und der Rausch nicht das „ganz Andere“ des kapitalistischen Alltags, sondern viel zu oft seine Stütze und Verlängerung. Glück und befreite Sinnlichkeit lassen sich nicht mit Substanzen gewinnen, sondern nur mit dem Kampf um gesellschaftliche Emanzipation. Doch diese Form, mit den alltäglichen Zumutungen von Staat und Kapital umzugehen, ist noch eine der harmlosesten.
Identitätszuschreibungen wie „Rasse“, Geschlecht, Kultur und Religion sind die wirkmächtigsten Ideologien und Fluchtwege aus den Fährnissen der Konkurrenz. Sie bilden unterm ständigen Druck
gesellschaftlicher Konkurrenz ein System sozialer Rollen und Tabus, über das Ansprüche und gesellschaftlicher Teilhabe gerechtfertigt oder beschnitten werden. Sie entstehen in gesellschaftlichen Konfliktlagen und erscheinen allen Beteiligten auf den ersten und auch auf den zweiten Blick ganz logisch, sie „verstehen sich von selbst“. Die Vorstellung einer tief verwurzelten und unverrückbaren Identität legitimiert (oder delegitimiert) den gesellschaftlichen Ein- oder Ausschluss von einer Person oder Gruppe. Sie gibt den Menschen das wohlige Versprechen „dazuzugehören“, am Ende doch noch auf dem Siegertreppchen zu stehen und bietet Sinnstiftung.
Aber es gibt da noch etwas, dass so ziemlich alle als wichtigen Teil ihres Daseins begreifen. Nämlich nationale Zugehörigkeit. In der kapitalistischen Gesellschaft, in der wir leben, in der nichts sicher ist, in der Krisen im System inbegriffen sind, in der jede_r einzelne tagtäglich den Kampf ums Dasein neu ausfechten muss, in der die Gesetze des Staates und des Marktes einen immerwährenden Angriff auf das eigene Leben bedeuten, ist die Nation eine willkommene Identifikationsfigur, eine Institution der Sinnstiftung und Heilsversprechen. Im rauen Wind der Konkurrenz ist die Einreihung in die nationale Gemeinschaft eine feste Burg. In einer Gesellschaft, die nicht für die Menschen, sondern für das Kapital produziert, ist der_die Einzelne in der Konkurrenz so isoliert, dass sie_er nach Integration in eine Gemeinschaft und Abgrenzung gegenüber anderen bedarf. Was gibt es da besseres als die Nation? In der wohligen Wärme der nationalen Gemeinschaft können wunderbar einfach die Unterschiede in der Gesellschaft (Besitzende und Besitzlose / Lohnabhängige und Produzent_innen) und die Gegensätze der Gesellschaft in Gemeinschaft und Gemeinsamkeit überführt werden.
Die Gesellschaft mit ihren gegensätzlichen Interessen und Widersprüchen wird durch eine mythische Überhöhung und eine Interpretation der Vergangenheit zu einer gemeinsamen Nationalgeschichte, zu einem „Wir“ gekittet. Diese Konstruktion eines „Wir“ ist ohne den Ausschluss der „Anderen“ nicht zu haben und stellt sich in Europa gerade durch ein Grenzregime da, dass Millionen von Menschen das Leben kostet. Die gefühlte Gewissheit nationaler Zugehörigkeit hat sogar Auswirkungen auf unser Gefühlsleben und auf unsere persönlichsten Wahrnehmungen. Egal ob Kunst und Kultur, Sporterfolgen, Wachstumsraten, Entführungsopfer und Bildungsmiseren. Sie alle werden zu Aspekten einer national schematisierten Aufteilung der Welt in „Eigenes“ und „Fremdes“. Und wer sich nicht produktiv für die nationale Sache mobilisieren lässt, muss Angst haben davon ausgeschlossen zu werden.

Wir haben die kapitalistischen Verhältnisse satt! Wir wollen das schöne Leben für alle! Ohne Angst, Stress, Lohnarbeit und Konkurrenz! Gegen den Horror des Kapitalismus! Für die befreite Gesellschaft!

Zeigen wir dem Schweinesystem unsere hässlichste Fratze! Kommt verkleidet am 31.Oktober um 18:30 Uhr zum Demo-Treffpunkt am Europaplatz in Wien! (Westbahnhof U3/U6)

Alle Infos zur Demo & Afterparty findest du auf unserer Mobiseite!