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Burschiaufmarsch wegbassen! Wer nicht feiert, hat verloren!

Hier findet ihr unseren Redebeitrag zu der diesjährigen Befreiungskundgebung:

Wie jedes Jahr findet auch heuer das sogenannte „Totengedenken“ von deutschnationalen Burschenschaftern, FPÖler_innen und weiteren Neonazis in Wien statt. Organisiert und ausgerichtet wird die gruslige Veranstaltung vom Wiener Korporationsring (WKR). Zu den weiteren Aktivitäten des WKR, in dem mehr als zwanzig lokale Studentenverbindungen organisiert sind, die sich politisch in einem Spektrum zwischen „national-freiheitlich“, völkisch-deutschnational und offen neonazistisch bewegen, zählen weiters die Organisierung des WKR-Balls, der „Sonnwendfeier“ am Wiener Cobenzl sowie die Gedenkveranstaltung für den Nazi-Helden Walter Nowotny am Wiener Zentralfriedhof. Bei diesen „Events“ wird immer wieder die enge Verquickung deutschnationaler Männerbünde mit dem organisierten militanten Neonazismus deutlich. 2002 rief die neonazistische „Kameradschaft Germania“ zur Teilnahme am „Totengedenken“ auf, dies unter Angabe der Mailadresse und Homepage des WKR als Anlaufstelle und Informationsquelle für die „Kameraden“. Auch auf diversen deutschen Neonazi-Seiten wurde zu der Veranstaltung aufgerufen. 2004, die Festrede hielt H.C. Strache, fand sich unter den Zuhörer_innen u.a. Ex-VAPO-Führer Gottfried Küssel.

Österreich, du „Opfer“!

Auch wenn das Totengedenken fernab jeder Öffentlichkeit stattfindet, sind die dort vertretenen Anschauungen keineswegs gesellschaftlich marginal und abseits der bürgerlichen Gesellschaft zu verorten. Die Identifikation mit dem nationalen Kollektiv stellte sich nach 1945, in Anbetracht der deutschen Verbrechen, der Shoah und der deutschen Schuld, als problematisch dar. Da aber die Identifikation mit der eigenen Nation, auf der einen Seite eine ungebrochene nationale Geschichtsinszenierung und auf der anderen einen positiven Bezugsrahmen benötigt, entwickelte sich in der postnazistischen österreichischen Gesellschaft ein „sekundärer Antisemitismus“ , der sich durch Schuld- und Erinnerungsabwehr, Relativierung, Verharmlosung oder Leugnung deutscher Verbrechen und Täter_innen/Opfer Umkehr auszeichnet. Die Inszenierung nationaler Opfergemeinschaft im kollektiven Gedenken ist zugleich Ausdruck und Ausgleich der alltäglichen Konkurrenz bürgerlicher Individuen in der verschärften Staatenkonkurrenz. Ausdruck, weil es das nationale Kollektiv als die ›Schicksalsgemeinschaft‹ vor Augen stellt, die es in der nationalökonomischen Standortkonkurrenz auch tatsächlich ist. Und Ausgleich, weil es die Alltagserfahrung kapitalistischer Konkurrenz in rituellen Akten parteiübergreifender Einheit und Solidarität aufwiegt. Es würde also zu kurz greifen, nur die „bösen“ Nazis anzugreifen. Die nationale Inszenierung der Geschichte sowie die Zwangsvergemeinschaftung der Individuen unter das Kollektiv müssen in den Fokus der Kritik gerückt werden. Daher verspüren wir weder das Bedürfniss an einem besseren Österreich mitzubauen, noch jeglichen Beitrag zu dieser Veranstaltung zu leisten. Denn die Nazis fallen nicht vom Himmel, sondern knüpfen an Ressentiments an, die tief in der nationalen und kapitalistischen Gesellschaft verankert sind und radikalisieren diese.

Antifaschistische Aktion!

Heuer startet der „Tag der totalen Niederlage“ (8. Mai, Tag der Befreiung) abends in der Wiener Innenstadt, gefolgt von einem Fackelmarsch, wo unverhohlen der Volksgemeinschaft hinterher getrauert wird. Wir wollen und werden diese offene Relativierung und Verherrlichung des Nationalsozialismus nicht ohne Protest über die Bühne gehen lassen. Lautstarke Unterstützung bekommen wir hierfür von Egotronic, mit denen wir Deutschland weg-raven wollen und den Freund_innen des völkischen Kollektivs klar machen werden, wer den Krieg verloren hat, denn:

Wer nicht feiert, hat verloren! Deutsche Täter_innen sind keine Opfer! Naziaufmarsch wegbassen!